Brief des Präsidenten
der Zionistischen Organisation Deutschlands. (Januar 2005)
Alle sind schockiert. Einige, sogar
viele schämen sich.
Der groesste Teil der sogenannten
'Anständigen' sagt, ja gut, das ist ja nicht im Westen
geschehen. Es spielt sich im Osten ab und diese Menschen
sind ja anders als wir hier. Das ist aber ein Gerücht.
Es gibt heute keinen Osten und keinen Westen mehr.
Die rechtsradikalen Parteien wollen bewusst ihre Philosphie
weiter vorantreiben und sie haben endlich ihre Masken fallenlassen
und zeigen ihr wahres Gesicht. Es sind die Menschen, die
diese Demokratie vernichten wollen und sich als direkte Nachfolger
der Nationalsozialisten sehen.
Aber es gibt eine neue Dimension. Zum erstenmal sind wir
nach 60 Jahren so weit, dass Parlamentsabgeordnete statt
Tote zu ehren, den Plenarsaal verlassen, um zu zeigen, dass
sie nicht bereit sind, Ermordeter, Vergaster, Getöteter
zu gedenken, wenigstens nominell und eventuell zu überlegen,
was eigentlich passiert ist.
Das Sächsische Parlament hat klar Stellung genommen.
Aber es wäre wünschenswert gewesen, wenn man die
sogenannte Rede unterbrochen hätte, wenn man sofort
den Ältestenrat einberufen hätte und diese Leute,
auch wenn Probleme hätten entstehen können, für
längere Zeit ausgeschlossen hätte. Menschen müssen
sehen, was sich hier abspielt. Die Menschen müssen verstehen,
was vor sich geht und auch junge Leute sollten über
so etwas diskutieren.
Und wir Juden? wo stehen wir? Die Toten werden nochmals umgebracht.
Die Erinnerung an sie soll auch nicht mehr bestehen bleiben.
Es geht nicht an, dass viele Leute empört sind. Die
Empörung muss ein Gesicht bekommen. Es muss wieder möglich
sein, zu Lichterketten im ganzen Land aufzurufen, um die
Menschen wachzurütteln.
Wir müssen uns tatsächlich fragen, sind wir wieder
so weit? Sind nicht unsere jungen Leute klüger, wenn
sie Deutschland verlassen oder bilden wir uns das alles nur
ein?
Dr. Robert Guttmann
Präsident
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